28.05.2019
Team

Zum Thema Europawahl 2019 haben auch wir im Team gefragt: Was bedeutet uns eigentlich Demokratie?

Politik und Demokratie betreffen jeden von uns und jeder hat eine andere Meinung dazu. Das Deutsche Historische Museum startete gemeinsame mit Tanja Praske eine Blogparade zu dem Thema „Was bedeutet mir Demokratie?“ #DHMDEMOKRATIE. Vielleicht ist den meisten Menschen das Privileg der Demokratie nicht mehr bewusst oder es sind die täglich sichtbaren Plakate auf der Straße, die einen mit grandiosen Versprechen überfüllen, sodass man bis auf ein „find ich gut“ nicht mehr zu sagen hat. Wir wollten im Team genau das erreichen, was auch das Ziel der Blogparade ist: Meinungen einholen! Deshalb haben wir diese Chance genutzt und im Team gefragt: Was bedeutet euch Demokratie?

 

Ralf: Demokratie ist etwas sehr Wichtiges und ich glaube, da sind wir uns alle im Team auch einig! Aktuell steht sie aber leider vor einigen Herausforderungen. Ich glaube die Bürger sind politikverdrossen und verärgert, weil sie sich von der Politik nicht richtig vertreten fühlen. Durch die vielfältigen politischen Skandale hat man den Eindruck, dass einige Politiker eine geringe moralische Verantwortung zeigen. Immer wieder zeigt sich ein zu großer Einfluss der Wirtschaft auf die Politik. Viele Bürger haben nicht das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können und gehen deshalb auch nicht zur Wahl.

Nina: Und auch wenn es logisch ist, dass unsere Demokratie wirtschaftliche Interessen verfolgt, bin ich der Meinung, dass es staatlich geschützte Themenbereiche geben sollte, in denen nur der Mensch Vorrang hat. Wenn man z.B. sieht, wie stark die Mieten trotz Mietpreisbremse ansteigen, ist klar, dass hier dringend mehr Entschlossenheit seitens der Politik erforderlich ist.

 

Welche Risiken, die aktuell die EU gefährden könnten, nehmt ihr derzeit wahr?

Silke: Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass Demokratie bei den meisten als unersetzbar und äußerst wichtig gesehen wird, stellt der aufkommende Nationalismus mit seinen stark anti-demokratische Bewegungen eine große Herausforderung für die EU dar. Diese werden von den Verfechtern wenig ernst genommen, vielmehr herrscht dort sogar die Meinung, dass diese die Demokratie stärken. Meines Erachtens birgt genau das die Gefahr der Aushöhlung und Erschütterung der Demokratie in Deutschland. Ernste Themen sollten auch ernst genommen werden.

Jan: Ich kenne keine andere Gesellschaftsform, die meinen Ansprüchen an eine moderne Gesellschaft mehr entspricht. Natürlich ist es nicht immer einfach, andere Ansichten zu akzeptieren, aber Demokratie bietet jedem die Möglichkeit, seine Argumente vorzubringen und möglicherweise auch durchzusetzen. Theoretisch. Leider gibt es viele Bedrohungen, sei es durch Lobbyismus, Populismus oder einfach Desinteresse. Viele Themen sind sehr komplex und schwer zu verstehen, da bieten die einfachen Antworten der Populisten leichte Lösungen an. Wozu das führen kann, sieht man in vielen Staaten - sei es in Europa oder Amerika. Auf der anderen Seite gibt es in der Demokratie durch die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit die Möglichkeit, wichtige Meinungen zu Gehör zu bringen. So können die jungen Menschen hin und wieder mal die alten an ihre Verantwortung erinnern.

 

Wie wichtig sind Demokratie und Bildung für unsere Kinder? Wie weit darf die Erziehung hierbei gehen?

Henning: Bildung verstehe ich als eine Grundlage, die uns in allen Lebensbereichen weiterhilft. Diese Grundlage sollte einem im besten Falle die Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen man die Aufgaben und Herausforderungen, auf die man trifft, selbständig meistern kann. Man kann vielleicht einen Vergleich zur Software-Entwicklung machen. Da gibt es auch Werkzeuge, Bibliotheken oder Design Pattern, die einem den Weg leiten können. Für die Politik gibt es in Deutschland schon eine gute Bibliothek und ein gutes Design Pattern: das Grundgesetz. Dieses würde ich uneingeschränkt in Schulen lehren. Das Grundgesetz kann als roter Faden, als innerer Kompass dienen, mit dem man das nötige Rüstzeug besitzt um z.B. gegen Populismus und Rassismus gewappnet zu sein

Michelle: Im Politik- und Gesellschaftsunterricht haben wir damals eher den Aufbau der deutschen Regierung und vergangene Ereignisse erarbeitet. Ich hätte mir mehr gewünscht, dass aktuelle politische Geschehnisse ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts sind. Dass uns schon früh gezeigt wird, welche Entscheidungen von heute Auswirkungen auf morgen haben und wir einfach mehr motiviert werden, auch politisch aktiv zu sein. Dank friday for future scheint es langsam angekommen zu sein.

Team

Wie sieht es mit der Gleichberechtigung in Deutschland aus?

Nina: Im Bezug auf Frauenrechte ist es heute wesentlich besser als vor 100 Jahren, aber man merkt schon, dass das Thema sich noch nicht ganz durchgesetzt hat. Häufig gibt es noch Unterschiede zwischen den Gehältern oder bei der Besetzung der Führungsetagen. Eine Frauenquote ist sicherlich gut, aber um wirklich in den Köpfen der Menschen anzugelangen braucht es noch mehr.

Irina: Auch im Bereich Ehe für alle gibt es noch einige Baustellen, die angegangen werden müssen. Ich bin ein absoluter Befürworter und finde, jeder sollte selbst entscheiden können, wen er oder sie heiraten will. Allerdings gibt es für gleichgeschlechtliche Paare immer noch große Hürden, vorm Gesetz auch als gleichberechtigte Eltern zu gelten.² Zusätzlich wächst die Kluft zwischen Arm und Reich zunehmend. Es wäre wünschenswert, ein Grundeinkommen für alle einzuführen.

 

Wie beeinträchtigen soziale Medien unser Meinungsbild und wie empfindet ihr das Recht auf Meinungsfreiheit?

Nina: Gegenwärtige Entwicklungen der Mediennutzung fördern die Existenz in einer Filterblase und das führt dazu, dass eigene Meinungen eher bestätigt als korrigiert werden. Informationen, die nicht dem eigenen Standpunkt entsprechen werden mitunter von Algorithmen ausgeschlossen. Möchte man demokratisch mitbestimmen, sollte man jedoch breit informiert sein. Daher finde ich den Erhalt von Qualitäts-Journalismus essentiell – wenn es dazu z.B. erforderlich sein sollte, auch Print-Journalisten Gewinne aus den GEZ-Gebühren zukommen zu lassen, fände ich das nachvollziehbar.

Odai: Ich finde Demokratie und Meinungsfreiheit sind in der Theorie etwas traumhaftes. Leider merkt man, dass die praktische Welt doch etwas anders aussieht. Durch freie Demokratie kamen auch fragwürdige Parteien, Kanzler und Präsidenten an die Macht, bei der die Mehrheit sich gewundert hat wie das zustande kam. Leider bedeutet Demokratie nicht für jedes Land das gleiche.

 

Welche Art von Europa wünscht ihr euch für die Zukunft?

Lena: Leider geht es im Moment eher in die Richtung, dass die einzelnen Länder wieder für sich sein wollen, langsam an der EU gezweifelt wird und dadurch eine nicht ganz so positive Grundstimmung entsteht. Gerade weil es innerhalb Europas auch zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede gibt, wie zum Beispiel bei der Jugendarbeitslosigkeit, Armut und Reichtum etc. Ich finde, dass Europa viel mehr als Einheit gesehen werden sollte. Man sollte versuchen, miteinander gerechter umzugehen und Gelder besser aufzuteilen. Insbesondere bei so wichtigen Themen wie Umweltschutz und Klimawandel ist es wichtig, dass alle Länder zusammenarbeiten und mit aller Kraft versuchen, die Ziele einzuhalten. Das funktioniert nicht besonders gut, wenn jedes Land für sich einzeln handelt.

Ich glaube, gerade jetzt ist es wichtig weniger in Grenzen zu denken.

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