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Daten laufen anstatt der Bremer Bürger

Die Firma bremer online services leistet Pionierarbeit

Das Team der bremer online services GmbH & Co. KG (bos) leistet Pionierarbeit: Das Unternehmen entwickelt Wege, um Dienstleistungen der Verwaltung und der Wirtschaft online anzubieten, weil, „die Daten laufen sollen, nicht die Bürger“. Die Pionierarbeit wird bundesweit mit Lob und Anerkennung überhäuft. Indes: Wer Neuland betritt, kann nur von den eigenen Fehlern lernen und muss mit Rückschlägen rechnen.
Einige Dienstleistungen können Bremer bereits online abwickeln. Es bedarf allein einer Digitalen Signatur, um Behördengänge rund um die Uhr und per Mouseclick von zu Hause zu erledigen, erläutert bos Geschäftsführerin Gisela Schwellach: Mit der rechts-verbindlichen, sicheren, auf einer Karte gespeicherten Unterschrift können bürokratische Akte diverser „Lebenslagen wie Umzug (Adressänderung, Nachsendeantrag) sowie Formalitäten im Interesse der bos-Kooperationspartner (swb AG, Sparkasse Bremen und Bremer Straßenbahn AG) am heimischen PC abgewickelt werden.

Ungeahnte Kinderkrankheiten
Geplant ist, das Angebot peu a peu auszuweiten, Aber: So pfiffig und kinderleicht die Theorie, so kompliziert ist die Praxis. Kerstin Sprock, bos-Sprecherin: „Im Laufe des vergangenen Jahres haben sich Probleme ergeben, die nicht vorhersehbar waren. Wir mussten Erfahrungen sammeln, Fehler machen und aus ihnen lernen.“ Gisela Schwellach ergänzt: „Wir haben ja kein Vorbild, an dem wir uns orientieren können. Wir müssen jeden Schritt alleine schaffen. Unter Kinderkrankheiten litt laut der Geschäftsführerin beispielsweise die Konstruktion der Lesegeräte, über die Gebühren für Dienstleistungen der Verwaltung von der Geldkarte abgebucht werden sollten. bos gewann eine Firma als Kooperationspartner, die nicht halten konnte, was sie versprochen hatte. Nach dem Motto „Selbst ist die bos“ hat sich die Gesellschaft deshalb vorgenommen, „aus eigenen Bordmitteln“ einen Prototyp zu entwickeln. Dass es bei der GmbH nicht am Know-how fehlt, hat das bos-Team auch mit der Entwicklung des Sicherheitsstandards Online Services Computer Interface unter Beweis gestellt. Er gewährt, dass rechtlich anerkannte, elektronisch signierte und chiffrierte Dokumente sicher ausgetauscht werden können. bos entwickelte QSCI indes nicht allein für das bremische Online-Angebot: Er soll bundesweit Verwendung finden, unterstreicht Finanzsenator Hartmut Perschau (CDU).
Während der Kooperationspartner für die Lesegeräte überschätzt wurde, wurden die bürokratischen Hürden unterschätzt. Die Novelle des Meldegesetzes - laut Perschau nach der Sommerpause verabschiedungsreif - hat sich beispielsweise als komplizierter erwiesen als angenommen. Zudem koste es Zeit, Verordnungen (wie die Bauordnung) ans Online-Angebot anzupassen.
Ungeahnte Schwierigkeiten hin, Rückschläge her - die bos-Mitarbeiter haben sich laut Perschau zu renommierten e-Government-Spezialisten gemausert, die ihr Wissen auf Fachtagungen weitergeben. Perschau: „Wir bestimmen das Entwicklungstempo. Viele andere Städte und Länder verfolgen, wie weit wir sind und welche Fortschritte wir machen.“ Die Folge: Die GmbH hat sich von einer Handvoll Pioniere zu einer Gesellschaft mit 50 Mitarbeitern gemausert.

Neun Anwendungen mehr
Und ihre Fortschritte sind offensichtlich: Der Internet-Auftritt der bos hat an Komfort dazugewonnen: Das Bedienen ist vereinfacht, die Zahl der Dienstleistungen erweitert worden. Im Laufe der nächsten Monate sollen insgesamt 25 Anwendungen möglich sein - neun mehr als im Vorjahr. Darunter beispielsweise die Lebenslage Studium.
In Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht werden alsbald zudem Einträge aus Registerdatenbanken (Handels-, Partnerschafts-, Vereins- und Genossenschaftsregister) abrufbar sein. Auch ein automatisches Mahnverfahren gehört künftig zum Online-Angebot. Architekten und Bauherren werden via Internet Bauanträge stellen und deren Stand abrufen können. Und: Ab Herbst sollen sportliche Bremer ganz bequem und unsportlich von zu Hause aus Tennisplätze online reservieren können. Weitere Infos: bremer-online-services GmbH &Co. KG, www.bos-bremen.de, Telefon 2049525, E-MaiL

Silke Hellwig

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