Xpedeo im Überseemuseum Bremen Einsatz eines multimedialen Ausstellungsführers von Götz Mackensen
Museen sind Orte der Vielfalt - der Exponate, der Darstellungen, aber auch der Besucher. Die empirische Forschung hat viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, was Besucher wollen. Man kann sie trefflich in Gruppen sortieren - aber das Ergebnis ist eigentlich: Jeder Besucher erwartet etwas anderes und viele Besucher ändern ihr Informationsbedürfnis während eines Besuches mehrmals.
Im Überseemuseum möchten wir dieser Vielfalt mit einem sogenannten Multimedia-Guide entgegenkommen. Wer nur Informationen zu den Ausstellungs bereichen möchte, erhält sie in bester Studio qualität als spannende Geschichten. Wer eine Führung haben möchte, kann sie wählen und sich mit dem Gerät durch das Museum leiten lassen. Er kann sie sich sogar schon zu Hause nach seinen eigenen Wünschen im Internet zusammenstellen und im Museum auf den Guide überspielen. Wer vertiefende Informationen zu bestimmten Exponaten sucht, findet sie in diesem Gerät. Und wer nach einem ergiebigen Museumsmarsch sich niederlässt und einzelne Exponate »nachschmecken« möchte, findet sie auch noch im Museumscafe einfach über eine Kartennavigation.
Das Überseemuseum stand bei Eröffnung der Ozeanien-Ausstellung 2003 vor der Frage, ob und welches Besucherführungssystem es einsetzen sollte. Schon damals entschied es sich für ein Multimediasystem, das zwar viel konnte aber letztlich ein Audioguide mit Diashow blieb. Da gleichzeitig für die Bearbeitung der Terminals der »additor« der Firma Informationsgesellschaft mbH, Bremen eingeführt worden war, entwickelte sich der Wunsch, dieses sehr komfortable Content Management System und den Multimediaguide zu verschmelzen und dem Besucher möglichst alles, was auch auf den Terminals ist, direkt am Exponat auch auf dem MultimediaGuide anzubieten. Daraus wurde ein sehr komplexes Entwicklungsprojekt, das vom Land Bremen finanziert wurde. So wurde mit der Informationsgesellschaft gemeinsam das System »Xpedeo« entwickelt. Das Überseemuseum ist Entwicklungspartner und in der ständigen Fortentwicklung, insbesondere der Verbesserung der Oberflächen für die Besucher, engagiert. Natürlich ist dies ein erheblicher Aufwand, der aber bei weitem durch die Anforderungen an den Inhalt übertroffen wird: Wer immer ein solches höchst attraktives System anschaffen möchte, sollte sich darüber klar sein, dass die Kosten für die Technik marginal sind im Vergleich zum Aufwand, den der Inhalt bedeutet, wenn man dem Nutzer wirklich umfängliche Informationen attraktiv anbieten möchte! Darüber hinaus muss man sich damit auseinandersetzen, dass die Arbeitsstrukturen eines Museums durch ein solches system beeinflusst werden. Die Informationsgesellschaft und das Überseemuseum haben deshalb ein kleines Handbuch zusammengestellt, das produktunabhängig die Entscheidung für ein System erleichtern soll. Es kann bei der Informationsgesellschaft kosten los angeforderrt werden.
Der "Xpedeo" ist mittlerweile über das Überseemuseum hinausgewachsen. Neue Komponenten entstanden, die das Überseemuseum noch nicht eingeführt hat - so beispielsweise die Funktion "catalogue on demand", die im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover sehr erfolgreich eingesetzt wird. Hier werden übrigens die Geräte im Museumsshop und nciht an der Kasse ausgegeben, was sicherlich auch für das Überseemuseum eine Überlegung wert wäre.
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